Narzissten hecken gerne verschiedene Taktiken aus, um ihr auserwähltes «Opfer» einzulullen, zu manipulieren oder zurückzugewinnen. Jede Person, unabhängig vom Geschlecht, kann ein Narzisst sein. Wir verwenden hier einfachheitshalber die männliche Form. Es können folgende mögliche Verhaltensweisen bei einem Narzissten beobachtet werden:

  • Er kopiert dein Verhalten: Narzisstisches Spiegeln
    Narzissten geben gerne vor, die gleichen Interessen und Meinungen wie du zu haben. Er kann aber auch eine Taktik des Spiegelns anwenden, und imitiert dein Verhalten genau. Dies tut er, weil er selbst keine stabile Identität hat und will, dass du ihn magst. Dieses Verhalten ist auch bekannt als vertrauensbildend in Verhandlungen. Wissenschaftliche Studien haben nämlich gezeigt, dass physische Ähnlichkeiten automatisch Vertrauen und eine zwischenmenschliche Basis bilden. Dies kann nach einer gewissen Dauer auch als vermeintliche Intimität wahrgenommen werden.
  • Er überschüttet dich mit Entschuldigungen
    Narzissten handeln bloss aus Eigeninteresse und haben kein Problem damit, dich anzulügen, Dinge komplett zu erfinden oder auch Entschuldigungen dazu zu verwenden, wieder selbst im Vorteil zu sein. Dies ist alles Teil der Manipulation und klar kalkuliert, also nicht authentisch. Der Narzisst meint eine Entschuldigung selten ernst. Er wird sich auch nicht ändern, Narzissmus ist nämlich nicht «heilbar».
  • Er verfällt in die Opferrolle
    Eine sehr oft gesehene typisch narzisstische Manipulation, die gerade bei sehr empathischen Menschen Mitgefühl, Mitleid oder Sympathie weckt und sie dadurch weich werden lässt. Erinnere dich daran, warum du vor dieser Manipulationstaktik wütend, traurig oder aufgebracht warst und lasse dich von seinem Verhalten nicht blenden, deine Gefühle sind nicht zweitrangig, bloss weil er jetzt das «Opfer» gibt. Erinnere dich an die Toxizität, die dich so schlecht fühlen lässt. Schliesslich kümmert es ihn auch nicht, dass er deinen Selbstwert konstant mit Füssen tritt.
  • Indirekte Kritik an dir
    Du hast bestimmt schon genug Kritik an deinem Aussehen, Verhalten, Interessen und insgesamt als Mensch von dem Narzissten erhalten, und dazu kommen häufig auch indirekte Kommentare, die dir wieder ein schlechtes Gefühl geben und da sie nicht direkt an dich gemacht wurden, verfallen viele Menschen in ein Muster von «ich möchte doch gefallen» und versuchen, den Hinweisen zu entsprechen. Damit ist der Narzisst wieder in einer klaren Machtposition und kann durch Komplimente am bspw. veränderten Aussehen wiederum seine Autoritätsposition in der Beziehung sichern. Lasse dich von solchen Kommentaren nicht beirren, gehe gar nicht erst darauf ein und sprich deine Glücklichkeit über das angeblich problematische Thema aus, dass du mit dir zufrieden bist, auch wenn das gerade nicht unbedingt so stimmt.
  • Abwechseln zwischen Love-Bombing, Spiegeln und Grausamkeit
    Zu Beginn der Beziehung muss der Narzisst erst einmal herausfinden, wie weit er bei dem auserwählten “Opfer” gehen kann. Umso gutherziger, intelligenter und positiver dieser Mensch ist, desto grösser ist der empfundene Triumpf für den Narzissten, wenn er einen solchen Menschen für sein grausames Spiel missbrauchen kann. Wenn das «Opfer» sich zurückzieht, wird es mit Liebesbekundungen und Komplimenten überschüttet, das Verhalten gespiegelt um wieder Vertrauen zu wecken und sobald du wieder in die Falle getappt bist, wirst du wieder grausam runtergemacht.
  • Extremes Verhalten wird getestet
    Der Narzisst verhält sich gerne ungemein komisch oder macht absichtlich unangenehme Dinge, um die Grenzen auszutesten. Wenn du dich dann nicht dazu äusserst, wird dies bloss noch extremer, da dem Narzissten klar wird, dass er nicht auf Ablehnung oder klare Wertvorstellungen oder Prinzipien trifft und ihm freie Bahn gelassen wird.
  • Gaslighting
    Ein klassisches Beispiel: Du sprichst den Narzissten auf sein mühsames Verhalten an und er reagiert dann indem er dir Grausamkeit vorwirft, da es ihm momentan angeblich dadurch nicht gut geht, das ist klassisches Gaslighting. Oder auch: «Du betrügst mich» klagt der Narzisst dich an, um von seiner eigenen Untreue abzulenken. Narzissten sind Experten darin und projizieren alles mögliche auf das Gegenüber.
  • Egomanie
    Die einzige Loyalität, die der Narzisst kennt, ist zu sich selbst; ohne jeglichen moralischen Kompass oder Mitgefühl. Wenn der Narzisst mit seinem unglaublich toxischen Verhalten durchkommt und unaufgehalten bleibt, entwickelt er zudem ein Gefühl von Abscheu für das akzeptierende «Opfer», ein wahrlich machiavellisches Spiel.
  • Er erinnert dich an die tollen Zeiten
    Diese Fantasie vom perfekten Partner, die du zu Anfang geglaubt hast, ist nun leider längst verflogen und dieser ist die bittere Realität gewichen. Du magst Mühe haben, dich von dieser schönen Illusion zu verabschieden und versuchst eventuell sogar bewusst an dieser Idee festzuhalten. In solchen Momenten hilft es Tagebuch zu führen und aufzuschreiben, was alles gesagt und getan wurde, das dir nicht gut getan hat und dann in Momenten des Zweifels diese Notizen wieder hervorzuholen.

Versuche also „bei dir“ zu bleiben, nicht zu stark auf die Äusserungen Anderer einzugehen und besinne dich stets auf deine eigenen Werte und deinen Selbstwert, dann kann dir auch ein Narzisst kaum gefährlich werden! 

Weitere Artikel dieser Serie
Teil I: Beziehung mit einem Narzissten – Wie man einen Narzissten erkennt
Teil II: Beziehung mit einem Narzissten – Umgang und Kommunikation

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