Histrionische Persönlichkeitsstörung – HPS (auch theatralische Persönlichkeit genannt)
Diese Persönlichkeitsstörung zeichnet sich vor allem durch die ständige Suche nach Aufmerksamkeit durch provozierendes oder unangemessenes Verhalten und übermässiger Emotionalität aus. Diese Menschen würden praktisch alles tun, um im Mittelpunkt zu stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und zu behalten. Wenn dies nicht eintrifft, werden sie oft depressiv. Sonst sind sie lebhaft, enthusiastisch, dramatisch und überaus charmant. Sie werden auffällig durch ihre oft unangemessene provozierende und verführerische Art, auch in völlig unpassenden Situationen und ihr Aussehen steht für sie stets im Mittelpunkt und an oberster Priorität. Emotionen zeigen sich häufig inadäquat, sie können entweder übertrieben oder untertrieben wirken. Diese Menschen sprechen dramatisch, drücken ihre Meinung mit Vehemenz aus und verzichten auf Fakten oder informative Details. Sie erscheinen wie eine Flagge im Wind, gehen möglichst jedem aktuellen Trend nach, um ihr extremes Bedürfnis nach Akzeptanz und Aufmerksamkeit zu erfüllen. 

Diese Menschen sehnen sich nach Neuheit und langweilen sich schnell, weshalb sie Freunde und Arbeitsplätze häufig wechseln. Sie wollen stets eine unmittelbare Befriedigung für ihre Handlungen sehen und wenn dies nicht eintrifft, wirken sie schnell frustriert.

In Beziehungen neigen diese Menschen dazu, zu gutgläubig und manipulierbar zu sein und nehmen häufig an, dass die Beziehung enger ist, als es tatsächlich der Fall ist. Emotionale und sexuelle Intimität fällt ihnen schwer und sie verfallen manchmal in die Opferrolle. Sie manipulieren und steuern gerne und machen sich zugleich auch schnell von ihrem Partner abhängig.

Unterschieden wird die HPS nach fünf Subtypen:

  • Der theatralische Typ schlüpft mühelos in verschiedene Rollen
  • Der hypomane Typ reagiert häufig sprunghaft und impulsiv
  • Der infantile Typ wird von der Angst getrieben, verlassen zu werden
  • Der schmeichelnde Typ strebt nach Bewunderung
  • Der verschlagene Typ versucht, andere zu manipulieren und zu kontrollieren

Der Anteil der histrionischen Persönlichkeitsstörung wird auf weniger als 2% der Allgemeinbevölkerung geschätzt. Dabei kommt es ungefähr gleich häufig bei Männern wie bei Frauen vor. Die ersten Anzeichen für HPS sind meist bereits im frühen Erwachsenenalter offensichtlich zu beobachten.

In der Diagnose müssen mindestens 5 oder mehr der folgenden Punkte erfüllt werden: 

  • Ein durchdringendes Muster der übermäßigen Theatralik (scheinbarer Emotionalität) und Aufmerksamkeitssuche.
  • Unglückliches und unwohles Befinden, wenn sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen
  • Interaktionen, die unangemessen sexuell verführerisch oder provokativ wirken
  • Rasch wechselnder Ausdruck von Emotionen
  • Der konsequente Einsatz der physischen Erscheinung, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken
  • Sprache, die extrem impressionistisch und vage ist
  • Eigendramatisierung, Theatralik und extravaganter Ausdruck von Emotionen
  • Suggestibilität (leicht durch andere Menschen oder Situationen beeinflussbar)
  • Empfinden ihrer Beziehungen als intimer und tiefgründiger als sie wirklich sind

Der Unterschied zum Narzissmus
Obwohl Narzissten ebenso um Aufmerksamkeit bestrebt sind, gibt es im Grund dafür einen bedeutenden Unterschied. Narzissten wollen sich damit von der Masse abheben, bewundert werden und als «besser» wahrgenommen werden. Bei Menschen mit HPS hingegen ist die Art der Aufmerksamkeit nicht wichtig, ob sie nun als süss oder dümmlich wahrgenommen werden, ist ihnen egal, Hauptsache ist, dass sie im Mittelpunkt stehen. Der Selbstwert von HPS-Menschen ist meist sehr niedrig, im Gegensatz zu Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Narzissten möchten lieber allgemein als überlegen wahrgenommen werden, während Menschen mit HPS sich meist ausgeprägter auf ihr Aussehen und äusseres Auftreten fokussieren. Sie sind weniger wählerisch in der Aufmerksamkeit, Hauptsache es gibt Aufmerksamkeit. Menschen mit einer der beiden Persönlichkeitsstörungen sind meist mit Eltern oder Betreuern aufgewachsen, die ihnen nicht genug oder zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben, woraus ein ungesundes Bild von Liebe entstanden ist. Menschen mit HPS brauchen ständig äusserliche Bestätigung. HPS wird den Menschen dazu veranlassen, jegliche Art der Aufmerksamkeitserregung zu verwenden, um aufzufallen, wo es der Narzisst hingegen auf spezifische Menschen abgesehen hat. Menschen mit HPS sind überzeugt davon, dass jeder mit ihnen zusammen sein will. Jegliche negativen Kommentare werden zu ihren Gunsten abgetan als «sie ist ja bloss eifersüchtig». HPS wirken selbstsicher und überzeugt von sich selbst vor Fremden, bei ihnen nahestehenden Menschen sind sie allerdings bedürftig und fordernd. Wenn ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit von Menschen im nahen Umfeld nicht erfüllt wird, kann es zu destruktivem, toxischem und aggressivem Verhalten kommen. 

Eine Studie über 30 Jahre mit Universitätsstudenten zeigt klar auf, wie schnell und verbreitet narzisstische Züge in der Bevölkerung zunehmen. In den 1980er Jahren haben 30% der Befragten narzisstische Züge aufgewiesen, während 70% empathische Züge aufwiesen. 30 Jahre später war diese Aufteilung gegenteilig, 70% der Studenten mit erhöhten narzisstischen Zügen und lediglich 30% mit empathischen Fähigkeiten. Es kann aufgrund dessen also davon ausgegangen werden, dass du noch viele Narzissten in deinem Leben antreffen wirst. Wenn du das nächste Mal jemand oberflächlichen, frei von Empathie, aufgesetztem und gespieltem Charme und Intellekt, ist es sehr wahrscheinlich ein Narzisst – sei also gewarnt.

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